Hörstrecke: wirkt Zuhören?
Gezählt wird, ob ein Kind einen Teil der Hörstrecke nach 7 bis 13 Tagen und nach 30 bis 44 Tagen noch richtig beantwortet (erste Antwort, je Gerät und Teil einmal je Fenster). Beide Fenster stehen getrennt. Eine Zahl erscheint erst ab 30 Antworten und ist auf Fünfer gerundet. Es gibt keine Zahl je Kind, je Klasse oder je Lehrkraft, keine Uhrzeit je Antwort. Die Abschnittslänge je Kind und die Hörminuten bleiben auf dem Gerät. Unter Klasse 1 wird nichts gezählt. Die Verweildauer ist kein Ziel.
| Nach | Anteil richtig | Antworten |
|---|---|---|
| 7 bis 13 Tagen | zu wenig Daten | unter 30 |
| 30 bis 44 Tagen | zu wenig Daten | unter 30 |
Wiederkehr am nächsten Tag
Anteil der Geräte, die einen oder zwei Tage nach dem ersten Start wieder zuhören. Nur Wochen mit geschlossenem Fenster. Kein Druck, keine Serie: Nichts geht verloren, wenn ein Tag ausfällt.
zu wenig Daten
Worauf die Hörstrecke gebaut ist
- Szpunar, Khan & Schacter 2013, Interpolated memory tests reduce mind wandering and improve learning of online lectures, PNAS 110, 6313–6317: Eingestreute Abruffragen zwischen Abschnitten einer Vorlesung halbieren das Abschweifen und verbessern das Behalten. Grenze: Erwachsene, Video – übertragen auf Kinder und Hören; deshalb kürzere Abschnitte als in der Studie.
- Risko, Anderson, Sarwal, Engelhardt & Kingstone 2012, Everyday attention: variation in mind wandering and memory in a lecture, Applied Cognitive Psychology 26, 234–242: Abschweifen nimmt über die Zeit einer Vorlesung zu und senkt das Behalten. Grenze: Begründet den Takt, nicht seine genaue Länge.
- Roediger & Karpicke 2006, Test-enhanced learning, Psychological Science 17, 249–255: Abrufen festigt stärker als erneutes Lernen. Grenze: Wirkung vor allem nach Tagen – darum die Wiederholung mit Abstand in der Strecke.
- MacLeod, Gopie, Hourihan, Neary & Ozubko 2010, The production effect, Journal of Experimental Psychology: LMC 36, 671–685: Laut Ausgesprochenes wird besser behalten als still Gelesenes. Grenze: Der Vorteil ist relativ zu stillen Inhalten; Tippen bleibt gleichwertiger Ausweg.
- Leahy & Sweller 2011, Cognitive load theory, modality of presentation and the transient information effect, Applied Cognitive Psychology 25, 943–951: Gesprochenes ist flüchtig: Lange Abschnitte überlasten, kurze profitieren vom Hören. Grenze: Bei Verfahren mit Notation hilft das Bild – dort keine Hörstrecke.
- Mayer 2009, Multimedia Learning (Modalitätsprinzip); Daniel & Woody 2010, They hear, but do not listen, Teaching of Psychology 37, 199–203: Wort gesprochen und Bild gezeigt ist besser als beides geschrieben; reines Hören ohne Einbindung behält schlechter. Grenze: Daniel & Woody: Studierende, Podcast ohne Fragen – genau das vermeidet der Takt.
- Gough & Tunmer 1986, Decoding, reading, and reading disability (Simple View of Reading); Hogan, Adlof & Alonzo 2014: Leseverstehen ist Dekodieren mal Sprachverstehen; Hörverstehen trägt das Leseverstehen, je älter das Kind, desto mehr. Grenze: Hörtraining ersetzt kein Dekodiertraining – Lesen bleibt in der Lesestrecke.
- Whitehurst u. a. 1988, Accelerating language development through picture book reading, Developmental Psychology 24, 552–559: Dialogisches Vorlesen mit offenen Fragen fördert Sprache stärker als bloßes Vorlesen. Grenze: Mit Bilderbuch und Erwachsenem – darum der Bilderbuch-Modus in der Vorschule.
- Metcalfe & Kornell 2005, A region of proximal learning model, Journal of Memory and Language 52, 463–477: Lernzeit wirkt dort am meisten, wo das Können knapp unter der Beherrschung liegt. Grenze: Begründet den Flow-Korridor, nicht die genaue Schwelle von 80 bis 85 Prozent (Wilson u. a. 2019: rund 85 Prozent).
- Wilson, Shenhav, Straccia & Cohen 2019, The Eighty Five Percent Rule for optimal learning, Nature Communications 10, 4646: Für Lernen mit Rückmeldung liegt die günstigste Fehlerrate um 15 Prozent. Grenze: Modellrechnung an einfachen Lernaufgaben; hier als Zielkorridor, nicht als Naturgesetz.
- Walkington 2013, Using adaptive learning technologies to personalize instruction to student interests, Journal of Educational Psychology 105, 932–945: Aufgaben im Interessenkontext steigern Lösungsrate und Lerntempo, besonders bei Schwächeren. Grenze: Sachaufgaben Algebra; Namen und Kontexte, nicht die Mathematik, werden angepasst.
- Pashler, McDaniel, Rohrer & Bjork 2008, Learning styles: concepts and evidence, Psychological Science in the Public Interest 9, 105–119: Kein Beleg, dass Unterricht nach dem bevorzugten Sinneskanal eines Kindes besser wirkt. Grenze: Darum ist Hören ein Weg, den ein Kind wählt, wenn es mag – kein „auditiver Typ“.
- Shivakumar & Georgiou 2020, Transfer learning from adult to children for speech recognition, Computer Speech & Language 63: Erkennung von Kinderstimmen ist deutlich schlechter als von Erwachsenen, besonders bei jüngeren Kindern. Grenze: Darum kleine Grammatik aus den erwarteten Antworten und Tippen als Pflicht-Ausweg.