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Lesen · Lehrkraft · Messfenster Winter

Lesemessung: eine Minute, ein ungeübter Text

Leseband

Das nächste Messfenster (Winter) beginnt in 83 Tagen, am 08.01. Im Tandem liest ein Kind geübte Texte – gut für die Kurve, falsch für den Vergleich mit dem Jahrgang. Im Messfenster liest jedes Kind einmal einen Text, den es noch nie gesehen hat, eine Minute lang. Nur diese Messung wird mit den Bezugswerten verglichen.

So wird gemessen

  1. Einzeln, an einem ruhigen Platz, am Anfang der Stunde oder im Leseband. Die anderen lesen im Tandem weiter.
  2. Das Kind bekommt den Text für das Kind, die Lehrkraft den Protokollbogen. „Lies bitte laut vor, so gut du kannst. Wenn du ein Wort nicht weißt, sage ich es dir.“
  3. Uhr starten beim ersten Wort. Fehler auf dem Bogen durchstreichen: falsch gelesen, ausgelassen, vertauscht, nach drei Sekunden vorgesagt. Selbst verbessert zählt als richtig.
  4. Nach sechzig Sekunden „Danke“ sagen und hinter dem letzten Wort einen Strich machen. Wer vorher fertig ist: Sekunden notieren.
  5. Unten eintragen: Nummer, bis zu welchem Wort, Fehler, Sekunden. Nie vor der Klasse, nie als Rangliste.

Verfahren wie bei der Messung, aus der die Bezugswerte stammen: „read aloud from an unpracticed passage for one minute“ (Hasbrouck und Tindal 2017). Zwischen den Fenstern misst das Leseband im Tandem weiter; die Kurve braucht beides.

Text für das Kind · Klasse 4 · Winter

Die verschwundene Mütze

Als Paul am Nachmittag vom Schlittschuhlaufen zurückkommt, fehlt seine blaue Mütze. Er hatte sie auf die Bank am zugefrorenen See gelegt, bevor er aufs Eis gegangen war. Jetzt ist die Bank leer.

Paul ärgert sich sehr, denn die Mütze hat ihm seine Großmutter gestrickt. Zusammen mit seiner Schwester Hanna läuft er noch einmal zurück zum See. Gemeinsam suchen die beiden unter der Bank und hinter den verschneiten Büschen. Doch die Mütze bleibt verschwunden.

Da entdeckt Hanna im Schnee merkwürdige Spuren, die wie winzige Hände mit fünf Fingern aussehen. Die Spuren führen von der Bank weg zu einer Gruppe dunkler Tannen. Vorsichtig folgen die Geschwister ihnen. Unter der größten Tanne befindet sich ein Loch in der Erde, und davor liegt ein Stück blaue Wolle.

Hanna flüstert: „Ich glaube, hier wohnt ein Waschbär.“ Paul kniet sich hin und schaut in das Loch. Ganz hinten erkennt er etwas Blaues. Er möchte die Mütze aber nicht mit der Hand herausholen, weil der Waschbär beißen könnte.

Zu Hause erzählen die Geschwister alles ihrer Großmutter. Die Großmutter lacht und meint, der Waschbär habe sich wohl ein warmes Bett gebaut. Am nächsten Tag beginnt sie, eine neue Mütze zu stricken.

Protokollbogen · Nr. ____ · Datum ________

Die verschwundene Mütze

Als Paul am Nachmittag vom Schlittschuhlaufen zurückkommt, fehlt seine blaue10
Mütze. Er hatte sie auf die Bank am zugefrorenen See20
gelegt, bevor er aufs Eis gegangen war. Jetzt ist die30
Bank leer.32
Paul ärgert sich sehr, denn die Mütze hat ihm seine42
Großmutter gestrickt. Zusammen mit seiner Schwester Hanna läuft er noch52
einmal zurück zum See. Gemeinsam suchen die beiden unter der62
Bank und hinter den verschneiten Büschen. Doch die Mütze bleibt72
verschwunden.73
Da entdeckt Hanna im Schnee merkwürdige Spuren, die wie winzige83
Hände mit fünf Fingern aussehen. Die Spuren führen von der93
Bank weg zu einer Gruppe dunkler Tannen. Vorsichtig folgen die103
Geschwister ihnen. Unter der größten Tanne befindet sich ein Loch113
in der Erde, und davor liegt ein Stück blaue Wolle.123
Hanna flüstert: „Ich glaube, hier wohnt ein Waschbär.“ Paul kniet133
sich hin und schaut in das Loch. Ganz hinten erkennt143
er etwas Blaues. Er möchte die Mütze aber nicht mit153
der Hand herausholen, weil der Waschbär beißen könnte.161
Zu Hause erzählen die Geschwister alles ihrer Großmutter. Die Großmutter171
lacht und meint, der Waschbär habe sich wohl ein warmes181
Bett gebaut. Am nächsten Tag beginnt sie, eine neue Mütze191
zu stricken.193

Bis Wort ______ · Fehler ______ · Sekunden ______

Erzählung, 193 Wörter, LIX 30, Wiener Sachtextformel 3,7. Eigener Text für Tuttuno, CC0.

Protokoll

Nummer statt Name. „Bis Wort“ ist die Zahl am Zeilenende des Protokollbogens plus die Wörter bis zur Stelle, an der die Minute um war. Fehler: falsch gelesen, ausgelassen, nach drei Sekunden vorgesagt. Selbst verbessert zählt als richtig. Bleibt auf diesem Gerät.

Bezugswerte Klasse 4

Fenster10.25.50.75.90. Perzentil
Herbst546885113138
Winter6486108129151
Frühjahr7595120144166

Förderbedarf unter dem 25. Perzentil, deutlich darunter unter dem 10. Zwischen den Fenstern wandert das Band mit dem Datum mit.

Quelle: Hasbrouck und Tindal 2017, Technical Report 1702, Tabelle 4 (amerikanische Werte: Herbst 60, 75, 94, 125, 153; Winter 71, 95, 120, 143, 168; Frühjahr 83, 105, 133, 160, 184). Annahme Tuttuno: amerikanische Werte mal 0,9, weil deutsche Wörter länger sind; nicht an deutschen Kindern gemessen. Faktor 0,9. Orientierung aus amerikanischen Werten, keine deutsche Norm und keine Diagnose. Es zählt vor allem die eigene Kurve.

Was daraus folgt

  • Genauer hinsehen und täglich fördern – Buchstaben-Laut-Kenntnis und Silbenlesen prüfen (Schulanfangsphase, Buchstaben-Laut-Check). Täglich Lautlesetandem als Sportler mit einem Text auf seiner Stufe; Blitzlesen davor. Mit der Förderkoordination sprechen – ein normierter Test klärt, ob mehr dahinter steckt. Täglich; Kurve jede Woche. (Hasbrouck und Tindal 2017 (unter dem Bezugswert: genauer diagnostizieren); Ehri 2005; Rosebrock, Nix, Rieckmann und Gold 2011)
  • Lautlesetandem als Sportler – Lautlesetandem dreimal die Woche als Sportler, derselbe Abschnitt viermal (wiederholtes Lesen). Text nach dem Sportler, nicht nach dem Trainer. Dreimal je Woche zwanzig Minuten; Kurve alle zwei Wochen, Urteil über den Trend frühestens nach sechs Wochen. (Rieckmann 2010 und Rosebrock, Nix, Rieckmann und Gold 2011 (Lautlesetandem); Therrien 2004, Remedial and Special Education 25, 252–261 (Metaanalyse wiederholtes Lesen); Christ, Zopluoglu, Long und Monaghen 2012 (Dauer bis zum Trend))
  • Leseband wie geplant – Leseband im Wechseltandem. Ab etwa hundert Wörtern je Minute kommt Verstehen dazu: Lesestrategien und stilles Lesen mit Buchwahl. Messung in den drei Fenstern; dazwischen im Tandem. (Rosebrock und Nix 2008 (Lautlese- vor Vielleseverfahren, Schwelle Flüssigkeit); Reutzel, Jones, Fawson und Smith 2008 (begleitetes stilles Lesen))
  • Trainer sein, Lesetheater, eigene Bücher – Trainer im Tandem – wer erklärt, lernt mit. Einmal die Woche Lesetheater; freie Lesezeit mit eigenem Buch und Lesetagebuch. Messung in den drei Fenstern. (Young und Rasinski 2009 (Readers Theatre); Guthrie und Wigfield 2000 (Wahl und Lesemotivation))
  • Erst genau, dann schnell – Der Text ist zu schwer: leichteren Text im Tandem, Silben schwingen, Blitzlesen mit häufigen Wörtern. Tempo wird erst geübt, wenn neun von zehn Wörtern stimmen. Täglich zehn Minuten; nach zwei Wochen mit dem Messtext neu prüfen. (Betts 1946 und Rasinski 2004 (Genauigkeitsstufen); Ehri 2005, Scientific Studies of Reading 9, 167–188 (Wörter werden über Laut-Buchstaben-Verbindungen zum Sichtwortschatz))

Genauigkeit: ab 97 Prozent selbstständig, 90 bis 96 mit Begleitung, darunter ist der Text zu schwer (Betts 1946; Rasinski 2004). Lesbarkeit der Messtexte je Jahrgang (LIX): 2: 18 / 18,3 / 17 · 3: 23,8 / 27,1 / 27,1 · 4: 30 / 30 / 29,3 · 5: 32,4 / 34,8 / 34,9 · 6: 34,1 / 37,2 / 35 · 7: 38,7 / 38,4 / 41,9 · 8: 43,9 / 42,7 / 45,7.